Flächendeckender Mindestlohn gefordert - MdB Klaus Hagemann, MdB Waltraud Lehn und Uwe Franz im Gespräch beim Arbeitsförderbetrieb

Montag, den 21. September 2009 um 22:21 Uhr

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In der Schreinerei des Arbeitsförderbetriebs informieren sich (von links) Claus Scherer (Leiter ARGE Worms), MdB Klaus Hagemann, MdL Jens Guth, Timo Jordan (Geschäftsführer Arbeitsförderbetrieb), Uwe Franz (Vorsitzender SPD Pfeddersheim und Listenkandidat für die Bundestagswahl 2009), Manfred Harbauer (Leiter ARGE Alzey), MdB Waltraud Lehn, Bürgermeister Georg Büttler, Khalil Sepehrnia (Schreinermeister und Leiter der Schreinerei).

Die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik waren die Themen einer Gesprächs- und Diskussionsrunde zu der Bundestagsabgeordneter Klaus Hagemann seine Kollegin, Bundestagsabgeordnete Waltraud Lehn, eingeladen hat. Waltraud Lehn ist im Haushaltsausschuss Hauptberichterstatterin für den Bereich Arbeit und Soziales. Besonders interessiert waren Hagemann und Lehn an den Erfahrungen vor Ort und an Erkenntnissen, die sie hieraus für ihre Arbeit in Berlin gewinnen können.

Bürgermeister Georg Büttler und SPD-Chef Jens Guth berichteten, dass Worms als großer Logistikstandort Probleme mit der relativ hohen Anzahl an Leiharbeitern und dem niedrigen Lohnniveau in dieser Branche hat. Von einem Durchschnittslohn von sechs bis sieben Euro in der Stunde, sei es schwer eine Familie zu ernähren oder auch sich nur für das Alter etwas zurückzulegen. Für die Kommune bedeute dies auch, dass sie diese Arbeitnehmer jetzt und im Alter finanziell unterstützen muss, was auf Kosten der Gemeinschaft geht. So muss die Stadt alleine 1100 so genannte Aufstocker unterstützen. Auch deshalb unterstreicht Hagemann wieder, wie wichtig eine Einführung des flächendeckenden Mindestlohns ist, denn abgesehen von den persönlichen Schicksalen, die nicht zu vertreten seien, müsse auch die Gemeinschaft entlastet werden.

Timo Jordan, Geschäftsführer des Arbeitsförderbetriebes (AFB), berichtete, wie der AFB Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance hätten, betreut. Beim AFB finden sie Arbeit, werden aus- und fortgebildet und wieder fit für den Arbeitsmarkt gemacht. Ein besonderer Wert wird hier auf den Qualifizierungsgedanken und die verschiedenen Bildungsprojekte gelegt, die vor allem Langzeitarbeitslosen zugute kommen. Aber um zu vermeiden, dass Menschen überhaupt erst an solchen Maßnahmen teilnehmen, muss man laut Lehn schon viel früher handeln. Sie ist davon überzeugt, dass vor allem am Übergang von der Schule zu Ausbildung und Beruf mehr getan werden muss. Hier setzt sie vor allem auf Kreativität vor Ort und weist diesbezüglich auf Finanzierungsmöglichkeiten durch den Bund hin. Weiterhin bemängelt Lehn den oft kompensatorischen Charakter der Berufsvorbereitungsmaßnahmen, die oftmals nicht in der Lage seien die grundlegenden Probleme und Mängel der Jugendlichen zu erkennen und zu verbessern. Claus Scherer, Leiter der ARGE Worms bestätigt aus seiner persönlichen Erfahrung, dass es negative Auswirkungen hat, wenn Jugendliche in Maßnahmen nur "geparkt" würden.

Hagemann hebt hervor, dass die Gesellschaft es sich nicht mehr leisten könne, einen so großen Prozentsatz an Menschen nicht in Arbeit zu haben, besonders mit Blick auf die sich verändernde Bevölkerungsstruktur. Ein besonderes Potential erkennt Lehn hier im Personenkreis der Frauen, die nach der Erziehungsphase wieder in das Berufsleben einsteigen wollen. Diese können beispielsweise zu Familienhelferinnen ausgebildet werden, die Familien bei sozialen und finanziellen Problemen zur Seite stehen und sie in der Bewältigung ihres Alltags unterstützen.