TOP-Journalist Hans-Ulrich Jörges, "stern"-Chefredaktion, Gast beim Neujahresempfang der SPD Pfeddersheim

Sonntag, den 22. Januar 2012 um 08:53 Uhr

spd_pfed02Hans-Ulrich Jörges(2.v.r.) fühlte sich im Kreis der Pfeddersheimer SPD mit Jens Guth MdL, Ortsvorsteher Alfred Haag, Fraktionssprecherin Heidi Lammeyer, Ortsvereinsvorsitzender Uwe Franz und Oberbürgermeister Michael Kissel(v.l.) sichtlich wohl.

Dem Pfeddersheimer SPD-Chef Uwe Franz war es gelungen, zum Neujahrsempfang einen der Top-Redakteure der deutschen Medienlandschaft nach Pfeddersheim in das dortige Auktionshaus Lösch zu holen: Den 60jährigen Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der "stern"-Chefredaktion und bekannt von zahlreichen Auftritten in Politik-Talk-Sendungen. Laut "Financial Times" gehört er zu den 30 angesehensten Kommentatoren weltweit. Uwe Franz begrüßte die rund 200 Gäste und ließ das vergangene Jahr Revue passieren. Hierbei standen die Landtags- sowie die OberbürgermeisterWahl im Fokus. Danach ging Franz in einer leidenschaftlichen Rede auf einige sozialdemokratische Kernthemen wie Bildung, Mindestlohn, Energiewende und die Bedeutung des Ehrenamtes ein. Zum Abschluss seiner Rede forderte er eine aufgabengerechte Finanzausstattung der Kommunen durch die Länder.

Mit Spannung erwarteten die Besucher dann den prominenten Gast Hans-Ulrich Jörges.

Jörges brannte ein wahres "Feuerwerk" ab. Was er an politischer Analyse zu unserem Parteiensystem, der Medienlandschaft und dem Zustand unserer Republik ablieferte, war beeindruckend. Der Journalist führte dies exemplarisch an der Affäre um Bundespräsident Wulff vor. Der Ausgangspunkt, so Jörges deutlich, war das Verhalten des Bundespräsidenten selbst. So hätte Wulff gravierende Fehler begangen. Was aber dann gefolgt sei, könne man mit einer Jagd vergleichen. Hier hätten "Bild", "Spiegel" und auch die "Frankfurter Allgemeine" zwar aus verschieden Gründen zur Attacke angesetzt. Gemein sei ihnen aber, dass sie Wulff "weg haben" wollen. Hier stellt Jörges die Frage nach der Macht der Medien bzw. wer in der Bundesrepublik das Sagen habe. Diese Machtstellung der Presse sei aber auch der Grund, warum viele Politiker aus allen Lagern hoffen würden, dass Wulff im Amt bleibe. Anderenfalls würde dies bedeuten, dass die Medien können im Prinzip jeden "abschießen" könnten.

spd_pfed17Nachdem Jörges die Rolle der Presse sehr kritisch hinterfragt hatte, wandte er sich Politik und Gesellschaft zu. Hier stellte er heraus, wie groß die Skepsis der Bürger gegenüber den Parteien sei und wie wenig sie sich engagieren würden. Er zeigte auf, wie es auch anders ginge. Als Beispiele für Bürgerbeteiligung nannte er Frankreich und in den USA. Dort würden sich Hunderttausende einbringen, wenn es darum gehe, die Präsidentschaftskandidaten in Vorwahlen zu nominieren. Hier rief er den Genossen in Pfeddersheim zu, dass die SPD mehr Mut zur Bürgerbeteiligung haben müsse. Auch bei der Aufstellung ihrer Kandidaten. Die Zeit der Politik im verborgenen Kämmerchen sei vorbei. Neben den Bundestagwahlen möchten die Bürger auch zu wichtigen Themen direkt befragt werden. Wobei er ironisch bemerkte, dass wir schon eine "Methusalem-Gesellschaft" seien, da es die Alten seien, die demonstrierten und auf die Straße gingen. Kritisch sei dabei jedoch, dass sie nichts veränderten, sondern "ihre Welt" konservieren wollten. Es gelte aber neue Formen der politischen Teilhabe zu finden, um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in diejenigen, die politische Verantwortung übertragen bekommen haben wieder zurück gewinnen

Keiner der Anwesenden hatte sein Kommen bereut und Oberbürgermeister Michael Kissel bedankte sich zum Abschluss der Veranstaltung für die überzeugende Rede und die Analyse des Spannungsfeldes Politik – Medien – Vertrauen.

Uwe Franz übergab Hans-Ulrich Jörges, der Sammler von Armbanduhren ist, eine Uhr des Wormser Dombauvereins mit einem im Ziffernblatt eingelassenen Teil eines original Dombausteins. Zudem bedankte er sich bei dem alternativen Bläserensemble "Wood Worms" für die musikalischen Begleitung des Abends und beim Weingut Dirk Wendel für die Präsentation eines Spätburgunders und einer Rivaner/Weißburgunder-Cuveé aus deren Wein-Sortiment.